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Experteninterview zum Thema -
„Mit Muskeltraining gegen Volkskrankheiten kämpfen“

Interview mit Prof. Dr. med. Elke Zimmermann, Sportmedizinerin an der Universität Bielefeld.

Prof. Dr. Zimmermanns Schwerpunkte: Verbindung von Sportmedizin und Trainingswissenschaften, gesundheitliche Prävention durch Bewegung und Sport; tätig für das „Vital Institute – Zentrum für sportmedizinische Prävention" der Uni Bielefeld und Dana Fricke, zertifizierte Trainerin der Fitnessstudiokette INJOY, Schwerpunkte: Betreuung und Einweisung von Menschen an Kraftgeräten, Leitung und Umsetzung von verschiedenen Rehasportgruppen.

Wie reagiert der Körper darauf, wenn sich Menschen zu wenig bewegen?

Prof. Dr. med. Elke Zimmermann: Schon ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Kraft ab, wenn man seine Muskeln nicht trainiert. Bewegt man sich zu wenig, so baut der Körper ab: Die Skelett- und Herzmuskelmasse werden reduziert. Mit dem Verlust an Skelettmuskelmasse wird der Mensch immer kraftloser und das Nachlassen der Herzmuskelmasse verschlechtert die Leistungsfähigkeit seines Herzens. Bis man 55 ist, vollzieht sich dieser Prozess relativ langsam, danach beschleunigt er sich. Als Faustregel gilt: Pro Lebensjahr verliert der Mensch etwa vier Prozent seiner Muskelmasse. Untrainierte Muskeln bilden sich zurück und können nicht mehr die positiven Effekte erzielen, wie es eine durch Training aktivierte Muskulatur tut.


Welche Muskeln bauen als erstes ab, wenn man sich nicht bewegt?

Prof. Dr. med. Elke Zimmermann: Vor allem die Muskulatur in den Beugemuskeln des Oberarms und im Bereich der körperaufrichtenden Stützmuskulatur nimmt ab.


Wie oft sollte man sich bewegen? Ist es nicht ausreichend, häufig spazieren zu gehen und Treppen zu steigen?

Prof. Dr. med. Elke Zimmermann: Nein, das reicht allein nicht aus. Auch Ausdauersportarten wie Joggen oder Radfahren allein bringen nicht den gewünschten Effekt für die Muskulatur. Wichtig ist, dass diese gezielt gegen Widerstand trainiert wird. Allen, die bis ins hohe Alter fit und gesund bleiben wollen, empfehle ich daher gezieltes Muskeltraining unter professioneller Anleitung. Ein Fitnessstudio, das sowohl personell gut ausgestattet ist, als auch die entsprechende technische Ausrüstung hat, um Messwerte zur individuellen Trainingsberatung zu erheben, bietet hierfür die besten Voraussetzungen.


Stimmt es, dass durch aktive Muskeln das Immunsystem gestärkt wird? Warum ist das so?

Prof. Dr. med. Elke Zimmermann: Ja, körperliches Training bewirkt die Ausschüttung vielfältiger Botenstoffe. Alle sind mit einem erklärten Ziel unterwegs: Sie wollen den Körper bestens auf eine Wiederholung der Beanspruchung vorbereiten. Aktive Muskeln machen gesund, leistungsfähig und stärken auf diese Weise unser Immunsystem. Deshalb kann eine trainierte Muskulatur vor Osteoporose, Bluthochdruck, Diabetes sowie vor Rücken- und Herzkrankheiten schützen. Außerdem lassen sich viele Stürze im Alter vermeiden, denn diese sind häufig auf Muskelschwäche zurückzuführen.

 

Weshalb sorgt ein individuell abgestimmtes Training dafür, dass die Muskeln das Skelett entlasten?

Prof. Dr. med. Elke Zimmermann: Training baut nicht nur die Muskulatur auf, sondern man lernt auch, diese koordiniert einzusetzen. Der gesamte Bewegungsablauf wird so aufeinander abgestimmt. Das Training der Muskulatur führt zudem über die Sehnen zu einer gesundheitsfördernden Beanspruchung des Knochens: Auf diese Art wird ein Reiz gesetzt, der eine Anpassungsreaktionen des Knochens zur Folge hat. Dadurch verbessert sich seine Belastbarkeit und der altersbedingte Knochenabbau wird messbar verlangsamt. Frauen, die häufiger als Männer unter einer geringen Knochendichte leiden, werden mithilfe eines individuell abgestimmten Trainings weniger anfällig für durch Osteoporose verursachte Brüche. Darüber hinaus beugt man einer Fehlbeanspruchung des Gelenkknorpels vor.